Finnland Fachexkursion

Im September machten sich Vertreter aus Bayern auf eine forstliche Fachexkursion nach Finnland auf. Die Teilnehmer kamen aus der Oberpfalz und setzten sich aus Vertretern der Forstlichen Zusammenschlüsse, dem Amt für Land- und Forstwirtschaft in Weiden und dem Unternehmen Bayerischen Staatsforsten zusammen. Sie erkundeten das Cluster Forst und Holz rund um die Saimaa See Gegend die etwa 250 km nördöstlich von Helsinki liegt.
 
 
 
In Savonlinna und Umgebung besuchten die Bayerischen Vertreter das Forschungslabor der Fachhochschule Süd-Ost Finnland und das Ressourcenzentrum Luke. Die leitende Wissenschaftlerin des Zentrums Tulja Aronen erläuterte wie das Institut neben gentechnischen Untersuchungen auch vitale und klimaresistente heimische Baumarten aussucht und nachzieht. Insbesondere die Nachzucht von Jungpflanzen aus den Zellen der Keime steht im Fokus der Forschung. Dies zu automatisieren und damit die Nachzucht Samenunabhängig zu machen hat hier oberste Priorität. Im Forstmuseum Lusto (= Jahrring) wurden die Teilnehmer sowohl in die forstliche Historie Finnlands  - hier sei die Flößerei, die Holzkohleherstellung und der Trockenlegung von Mooren genannt - als auch in die technische Entwicklung der Holzerntemaschinen eingeweiht.
 
 

An Simulatoren von Harvester und Forwarder konnte jeder sein Fertigkeiten in der Holzernte schulen.   Am nächsten Tag wurden ein japanisches Sägewerk (Misawa) und ein Heizkraftwerk in Mikkeli besucht. Mit einem Einschnitt von ca. 250.000 Festmetern wird hier ausschließlich für den japanischen Markt produziert. Das Restholz wird direkt dem Heizkraftwerk Pursialan voimalaitos (130 MW thermisch, 30 MW elektrisch) zugeführt, das die Stadt Mikkeli zu 100 % mit Wärme versorgt.  
 
Antti Heikkilä, der Leiter des finnischen Forstamtes der Süd-Ost Region, führte die Gruppe bei einem Besuch im Forstamt in die Forstwirtschaft Finnlands ein. Themen wie die naturale Ausstattung in den verschiedenen Besitzarten und die vorhanden IT Lösungen für die Waldbesitzer wurden erläutert. Hier wurde auf die nationale Waldinventur näher eingegangen.
 
 
 
Man hat erkannt, dass die nachhaltige Nutzung der Wälder nur dann möglich ist, wenn die Waldbestände genau bekannt sind. Die Inventur erfasst alle Waldbesitzergruppen in Finnland und produziert jährlich Informationen über die Waldressourcen, über das Wachstum und die Gesundheit der Bäume, über Veränderungen in der Landnutzung sowie über die Besitzverhältnisse und Vielfalt der Wälder.
 
Diese Daten können von den einzelnen  Waldbesitzer/innen mit individuellen Zugangsdaten für die eigenen Flächen digital geöffnet werden. Genauso fanden die Bewirtschaftung der Wälder sowie die nicht auszuschließenden Themen wie Jagd und die Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels großen Anklang und wurden rege diskutiert.  
Mit 26,2 Mio. Hektar Wald hat Finnland einen sehr hohen Waldanteil. Über 50 % davon gehören dem Privatwald, dessen durchschnittliche Größe sich zwischen 30 und 40 Hektar bewegt.
 
Mit den drei Hauptbaumarten Fichte, Kiefer und Birke wird gewirtschaftet. In Finnland wird nach einem Kahlschlag meist gepflanzt, um ein „optimales“ Pflanzgut für den künftigen Wald zu haben. Mit der Besichtigung der etwa 5.000 Jahre alten und größten Felsenmalereien von Astuvansaimi und dem Abschluss im Sommerhaus der Familie Heikkilä wurde dieser Tag beschlossen.        
Am nächsten Tag besuchte die Reisegruppe die Waldbesitzervereinigung Etelä-Savo (FMA), die ihre Organisation und ihr Dienstleistungsangebot für die Waldbesitzer/innen vorstellte.
 
Bei der FMA sind 10.000 Waldbesitzer/innen mit etwa 500.000 Hektar organisiert. In 15 Büros, die über die Fläche verteilt und 68 Förster sowie 60 Waldarbeiter angestellt sind werden mit weiteren 70 Unternehmern jährlich etwa 3,3 Mio. Festmeter  Holz eingeschlagen. Der Zuwachs beträgt in diesem Gebiet rund 7,5 Festmeter pro Hektar und Jahr. Neben der Organisation des Holzeinschlags und -verkaufs werden weitere Dienstleistungen wie Waldpflegeverträge, Aufforstungen, Wegebau, Gutachten und Beratungen angeboten. Im Wald vor Ort wurden verschiedene Waldbilder von der Kahlfläche über Pflanzung, Jungwuchspflege, verschiedene Durchforstungsmaßnahmen bis zum Abtrieb der Fläche angeschaut und diskutiert.
 
 
 
Der Besuch der Firma von Erkki Savolainen, der neben einer Baumschule die jährlich über 30 Mio. einjährige Pflanzen produziert und verkauft auch noch ein Schwachholzsägewerk, ein Heizkraftwerk betreibt, den Verkauf von Hackschnitzeln, Scheitholz, Blumenzwiebel und Tulpen (38 Mio. Stück) organisiert, bleibt der Gruppe in Erinnerung.  
 
Am letzten Tag wurde die Stadt Helsinki erkundet und die wohl zu einer der schönsten der Welt gekürte Bibliothek besucht. Das aus sehr viel Holz und Glas wellenartig gebaute Gebäude mit seinen Angeboten für die ganze Familie beeindruckte mit seiner Architektur alle Teilnehmer.
 
 
 
  Als Fazit bleibt nur, dass sowohl die gesamte Gruppe, als auch das Wetter und das Programm in Finnland wirklich beeindruckend waren. Als besondere Herausforderung nehmen die Teilnehmer die Themen Inventur, Waldbewirtschaftung und  Forschung im Bereich der künftigen Baumarten mit nach Hause.
 

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