"Wir haben jetzt Zeit bis zum Frühjahr"

Der Sturm am 18. August hat den Wald von Georg Rodler aus Heindlschlag bei Jandelsbrunn schwer getroffen. Nachdem der erste Schock verdaut ist, rät Rodler jetzt zur Besonnenheit.
 
Die Details in unserem Interview.
 
Wochenblatt: Herr Rodler, wie hat Sie der Sturm getroffen?
Rodler: Wir bewirtschaften 36 Hektar Wald. Davon sind gut 18 Hektar zerstört. Die größte zusammenhängende Schadfläche ist drei Hektar groß. Dort liegt ein 80-jähriger Bestand komplett am Boden. Ich habe auch kleinere Flächen, die zu 100 Prozent geschädigt sind. Auf größeren Flächen liegt da mal ein Hektar und dort ein Hektar. An einer Hobbywetterstation im Nachbarort wurden 170 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gemessen. Das hält kein Bestand aus.  
 
Wochenblatt: Wie hoch beziffern Sie den Schaden?
Rodler: Ich gehe bei mir von einem Vorrat von 500 Festmeter je Hektar aus. Bei 18 Hektar  Schadfläche ergibt das rund 9000 Festmeter Holz. Was davon letztlich verwertbar ist, das muss sich erst herausstellen. Rechnet man erhöhte Aufarbeitungskosten, nicht verwertbares Holz und einen sinkenden Holzpreis, dann schätze ich, dass der Schaden bei mir zwischen 100 000 und 200 000 Euro liegen wird.
 
 
Foto: Vom Aussichtsturm Oberfrauenwald lässt sich die Kraft des Sturmes erahnen (Bild: Sepp Kellerer/BLW)
 
Wochenblatt: Was hat man für Gefühle, wenn man das sieht?
Rodler: Man steht zunächst unter Schock, vor allem wegen der Dimension. Man hat jedes Jahr ein paar Bäume, die vom Wind geworfen oder vom Schnee gebrochen werden. Aber dass es in die Tausende geht, das haben wir noch nie gehabt, das hat auch mein Vater noch nicht erlebt. Es hat auch gemischte Bestände erwischt mit Tanne und Buche und nicht nur die reine Fichte. Ich arbeite schon lange konsequent in Richtung Mischwald, aber auch der war dieses Mal keine Garantie. Es hat bei uns im Dorf fast jeder Wald und jeder ist tief mit ihm verwurzelt. Noch keiner hat so etwas erlebt. Da herrscht Ratlosigkeit. Mancher bräuchte fast eine psychologische Beratung.
 
Wochenblatt: Wer könnte das übernehmen?
Rodler: Nun ja, in gewisser Weise die Waldbesitzervereinigung und die Forstabteilung am Landwirtschaftsamt. Da sind örtlich schon Informationsveranstaltungen gelaufen.
 
Wochenblatt: Wie viel Holz geht denn in bestehende Verträge?
Rodler: Die großen Sägewerke in Niederbayern haben sofort die Verträge gekündigt, auch bestehende, sowohl bei den Forstzusammenschlüssen als auch bei den Holzhändlern. Man hat immer geglaubt, man sei Partner, aber dem ist nicht so. Jetzt wird es darum gehen, dass die Forstzusammenschlüsse andere Absatzwege finden, möglichst weit weg. Aber das führt natürlich zu erhöhten Transportkosten.
 
Wochenblatt: Was bedeutet das für Sie in der aktuellen Situation? Rodler: Die Aufarbeitung schaffe ich nicht alleine. Ich habe meine Flächen bei der WBV gemeldet, damit die eine Grundlage für die Planung haben.
 
Wochenblatt: Heißt das, so schnell raus mit dem Zeug wie möglich? Rodler: Nein, eben nicht. Zum einen muss vorrangig der Absatz des Holzes geklärt werden und zum anderen bleibt das Holz im Wald noch am ehesten frisch. Wenn es auf dem Polter liegt und nicht abgefahren wird, dann verliert es stärker an Qualität. Dort wo ein Harvester im Einsatz ist, sollte er in der Ecke sämtliche Flächen aufarbeiten, unabhängig davon, wem sie gehören. Natürlich müssen die Eigentümer wollen. Meine Waldflächen sind recht weit verteilt. Es macht keinen Sinn, wenn die Maschine alle meine Flächen abfahren würde, und dann in einer zweiten Runde bei den Nachbarn arbeitet. Es geht jetzt vorrangig darum, dass der Absatz geklärt wird. Und wie bereits gesagt, da muss man sich überregional umsehen. Bei früheren Kalamitäten hat es auch staatliche Transportkostenzuschüsse gegeben. Das sollte man wieder aufgreifen. Bezogen auf ganz Bayern oder Deutschland sind die Schadholzmengen gar nicht so groß. Und wir haben mit der Aufarbeitung keine Eile. Wir haben Zeit bis März, April und können bis dahin kontinuierlich aufarbeiten. Die Bayerischen Staatsforsten haben bis Ende November den Einschlag frischen Holzes gestoppt und das andere Holz bringen sie ins Nasslager, auch das hilft uns.
 
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Das vollständige Interwiew finden Sie hier.
 
 
Quelle Bild und Text: Sepp Kellerer/ Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt
 
 



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